Das typische Handwerker-Haus mit Werkstatt und Wohnbereich, das der Barlter Tischlermeister Johann Hermann Frenssen (1829-1919) erbaut hatte, stand gerade einmal neun Jahre, als hier Gustav als drittes von fünf Kindern am 19. Oktober 1863 geboren wurde. 49 Jahre später, 1912 erwarb es der Erfolgsschriftsteller von seinen Geschwistern als Sommerresidenz für sich und seine Frau Anna.
Den Winter verbrachte das Ehepaar bis zu Beginn der 20er Jahre in seiner großzügig angelegten Blankeneser Villa am Bauersweg. Das Meldorfer Intermezzo hatte nur wenige Jahre (von 1902 bis 1906) gedauert. 1921 gestaltete Gustav Frenssen das Barlter Geburtshaus vor seiner endgültigen Übersiedlung nach seinen Plänen um. Das Handwerkerhaus wurde zum Literaturhaus. Hier entstand Gustav Frenssens literarisches Hauptwerk Otto Babendieck.
Über seinen Tod am 11. April 1945 hinaus galt der Dithmarscher Autor, der mit Thomas Mann um den Literatur-Nobelpreis konkurrierte, bei seinen Nachbarn noch immer als Pastor Frenssen. Nach Schulabschluss in Husum, Studium in Tübingen, Berlin und Kiel war Frenssen von 1890 bis 1902 Pastor in Hennstedt und Hemme.
Schon acht Jahre später war er der meistgelesene Schriftsteller in Deutschland. Seine schriftstellerische Laufbahn hatte er noch als zweites Standbein neben dem Predigerberuf eingeschlagen, um die Schulden für seine Ausbildung und die Ausbildung seiner Geschwister begleichen zu können. Der Erfolg stellte sich bereits mit den ersten Titeln ein. Die literarische Figur des lateinischen Bauern (Voß) Jörn Uhl katapultierte Frenssen endgültig an die Spitze deutschsprachiger Roman-Autoren und machte ihn zum allseits gefragten Gesprächspartner.
Obwohl sich der Freigeist Frenssen mit dem kleinbürgerlichen Milieu seiner zweiten Wahlheimat Meldorf schwer tat, spiegelt das Barlter Frenssen-Haus, das er zusammen mit seiner Frau Anna (gestorben 1965), seiner Haushälterin Martha Schulze (gestorben 1983) und den Pflegekindern bewohnte, nach wie vor die kleinbürgerliche Wohnkultur seiner Zeit wieder.
Besucherinnen und Besucher des Literatur-Museums an der Dorfstraße 50 finden das Mobilar Frenssens, zum Teil die alten Bilder Frenssens, aber auch seine Bücher wieder. Vom Band kommentiert die Stimme des Hausherrn den rituellen Tagesablauf der Eheleute. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Der Nachbar Pastor Dr. Dietrich Stein: 90 Prozent des Hauses befindet sich im Original-Zustand.